04. September 2026
Neues Wohnen am Stadtgarten (Schwäbische Post I 04.September 2026)
Abriss, Wohnungen und ein größerer Stadtgarten: Was die Essinger Wohnbau an der Aalener Bahnhofstraße plant und warum das ehemalige Postareal dabei eine wichtige Rolle spielt. Von Ulrike Wilpert
Aalen
Noch steht das Gebäude mit seiner auffallend roten Fassade an der Bahnhofstraße. Im Oktober oder November dieses Jahres soll es abgerissen werden. An der Adresse Bahnhofstraße 51 plant die Essinger Wohnbau ein neues Gebäude mit 18 Wohnungen: vier Geschosse plus ein Dachgeschoss und Tiefgarage mit dem künftig erweiterten Stadtgarten direkt vor den Balkonen.
Postareal Teil des Stadtgartens
Während an der Bahnhofstraße neuer Wohnraum entsteht, soll wenige Meter weiter eine große versiegelte Fläche verschwinden: Das ehemalige Postareal wird nicht bebaut. Die Stadt Aalen hat die Fläche vor etwa zehn Jahren gekauft und will das Areal entsiegeln, begrünen und den Stadtgarten auf diese Weise erweitern. Und auch der Taufbach soll aus seiner Betoneinfassung geholt und renaturiert werden.
Rückblick: Seit dem Wegzug der Deutschen Post liegt das Areal brach. Der frühere Verbundstützpunkt wurde Ende 2024 aufgegeben, die Post verlagerte ihre Zustellung nach Waldhausen und Oberalfingen.
Grüne Pläne, knappe Kasse
Der Aalener Gemeinderat hatte der Stadtgartenerweiterung im Juli 2025 grundsätzlich zugestimmt. Mehrere Fraktionen allerdings äußerten ein deutliches „Aber“ angesichts der angespannten Haushaltslage. Aus der CDU-Fraktion etwa kam der Wunsch, zunächst die Finanzlage mit Blick auf den Doppelhaushalt 2026/2027 abzuwarten. Denn günstig wird das Vorhaben nicht. Nach bisherigen Angaben der Stadt dürfte die Umwandlung des ehemaligen Postareals in einen erweiterten Stadtgarten rund 2,7 Millionen Euro kosten. Davon entfallen rund zwei Millionen Euro auf die eigentliche Parkgestaltung, weitere 730.000 Euro auf Rückbau, Entsiegelung und die naturnahe Gestaltung des Taufbachs. Nach Abzug einer Förderung von 80 Prozent bliebe an der Stadt rechnerisch ein Eigenanteil von rund 550.000 Euro hängen.
Neubau direkt am Stadtgarten
Zwischenzeitlich stand deshalb auch die Frage im Raum, ob Investoren angrenzender Bauprojekte an den Kosten beteiligt werden könnten.
Einer der Investoren ist die Aalener SDZ Druck- und Medien GmbH, die hinter den Planungen für die künftige „Nachhaltige Gartenstadt“ steht, ein neues Wohnquartier auf dem ehemaligen SDZ-Verlagsareal. Ein weiterer Investor ist die Essinger Wohnbau. Ihr Neubau entsteht auf einer Baufläche neben dem ehemaligen Postareal. „Der künftig parkähnlich erweiterte Stadtgarten soll einmal bis an die Balkone unseres neuen Wohngebäudes reichen“, sagt Lars Fischer, Geschäftsführer der Essinger Wohnbau. Zuerst aber muss das alte rote Gebäude Bahnhofstraße 51 weichen.
Die Essinger Wohnbau hat das inzwischen leer stehende Haus, in dem früher unter anderem eine Kinderarztpraxis eingemietet war, vor einiger Zeit erworben. Laut Fischer werden die Abbrucharbeiten aktuell ausgeschrieben. „Im Oktober/November dieses Jahres soll der Abriss beginnen.“
Über 6000 Euro/Quadratmeter
Bereits im Frühjahr 2027 könnte an der Bahnhofstraße der Spatenstich für das viergeschossige Wohnhaus plus Dachgeschoss erfolgen, sagt Fischer. Rund acht Millionen Euro investiert die Essinger Wohnbau in das Projekt, zu dem auch eine Tiefgarage mit 22 Stellplätzen gehört. Die 18 Wohnungen bieten zwei bis vier Zimmer und Wohnflächen zwischen 47 und 133 Quadratmetern. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt bei mehr als 6000 Euro. 16 Wohnungen seien bereits verkauft oder reserviert, berichtet Fischer.
Klinker trifft auf grünes Konzept
Gebaut werden soll das Haus nach dem besonders energieeffizienten und nachhaltigen KfW-40-QNG-Standard. QNG steht für „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ und geht über reine Energieeffizienz hinaus: Auch ökologische und qualitative Kriterien müssen erfüllt werden. Zum Energiekonzept gehören eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher und ein Nutzstrommodell, über das der selbst erzeugte Ökostrom direkt im Haus genutzt werden kann. Zum Stadtgarten hin soll die Klinkerfassade zudem begrünt werden.
Bevor der Neubau in die Höhe wächst, geht es allerdings erst einmal in die Tiefe: Über den Winter sollen nach Angaben von Fischer die Verbauarbeiten mit Bohrpfählen erfolgen. Spatenstich könnte dann im Frühjahr 2027 sein.
„Im Oktober/November dieses Jahres soll der Abriss beginnen.“
Lars Fischer, Essinger Wohnbau
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