08. September 2026
Gasthaus Ritter vor dem Abriss (Schwäbische Post I 08.September 2026)
Der Abriss des Ritter-Areals in Essingen rückt näher. Noch sind einige Fragen offen. Fest steht aber: Auf dem Grundstück soll sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Von Jan Sigel
Essingen
Nur noch wenige Wochen, dann könnte das ehemalige Gasthaus Ritter aus dem Essinger Ortsbild verschwinden. Anfang Oktober sollen sämtliche Gebäude auf dem sogenannten Ritter-Areal in der Schulstraße abgerissen werden. Wie Lars Fischer, Geschäftsführer der Essinger Wohnbau, auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilt, gebe es zwar noch keinen fixen Abrisstermin. „Wir gehen aber davon aus, dass wir Ende Oktober mit dem Abriss beginnen.“
Dass es auf dem Ritter-Areal nun vorangeht, freut Lars Fischer. Die Essinger Wohnbau habe sich „stark bemüht, das Grundstück kaufen zu können“. Schließlich sei das Gelände unweit der Quirinuskirche ein „Filetstück“ in Essingen. Nun soll hier in den kommenden Monaten ein neues Wohnquartier entstehen. Geplant sind vier Wohnhäuser mit insgesamt bis zu 48 Wohnungen.
Bauturbo freigeben
Ganz sicher ist der Start Ende Oktober allerdings noch nicht. Bevor die Bagger anrücken, muss der Essinger Gemeinderat noch grünes Licht geben. Der Grund: Die Essinger Wohnbau will das Bauvorhaben mit dem sogenannten Bauturbo umsetzen. Dieser ermöglicht es, bei Wohnbauvorhaben vom bestehenden Planungsrecht abzuweichen. Ein neuer oder geänderter Bebauungsplan ist dann nicht nötig. Damit das Verfahren jedoch angewendet werden kann, muss der Gemeinderat dem Vorhaben zustimmen. Darüber entscheiden soll das Gremium – Stand jetzt – in der öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 1. Oktober. Vieles spricht allerdings dafür, dass das Projekt auch diese Hürde nimmt: Bereits bei der Vorstellung der Pläne im April hatten sich viele Gemeinderatsmitglieder positiv zu dem Vorhaben geäußert.
Baustart Frühjahr 2027 möglich
Läuft alles nach Plan, könnte im Frühjahr 2027 mit dem Bau begonnen werden – im Sommer 2029 könnte dann schon alles fertig sein.
Wie das neue Quartier einmal aussehen soll, steht in jedem Fall bereits fest. Bei der Gestaltung setzt die Essinger Wohnbau auf eine Mischung aus erdfarbenen Putzflächen und Holzverkleidungen. Auch die Begrünung spielt eine Rolle: Sowohl die Fassaden als auch der Innenhof sollen begrünt werden.
Auch beim Thema Energie und Nachhaltigkeit haben sich die Planer einiges vorgenommen. Die Häuser sollen nach dem besonders energieeffizienten KfW-40-QNG-Standard gebaut werden. Das „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ berücksichtigt neben der Energieeffizienz auch ökologische und qualitative Kriterien. Vorgesehen sind unter anderem eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher und ein Nutzstrommodell.
Zum Quartier gehören außerdem eine Tiefgarage mit 60 Stellplätzen, acht Außenstellplätze und rund 90 Fahrradabstellplätze.
Bis zu 48 Wohnungen
Das Wohnungsangebot richtet sich derweil an unterschiedliche Zielgruppen. Entstehen sollen bis zu 48 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit Größen zwischen 28 und 100 Quadratmetern. Bei den Penthouse-Wohnungen seien auf Wunsch auch Flächen von bis zu 150 Quadratmetern möglich, informiert Fischer. Die Wohnungen sollen verkauft oder vermietet werden – Verkaufsstart ist voraussichtlich im November dieses Jahres.
Was die Wohnungen kosten werden, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen, so Fischer. Preislich werde das Angebot aber unter dem Niveau des ehemaligen Postareals in Aalen liegen. Dort liegen die Kaufpreise bei knapp über 6000 Euro pro Quadratmeter . Fischer rechnet für das Ritter-Areal mit „marktgerechten Preisen“, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.
Ursprünglich hatte die Essinger Wohnbau auch eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss in Betracht gezogen. Davon hat sie inzwischen allerdings Abstand genommen. Laut Fischer gebe es dafür an dieser Stelle keinen Bedarf. Die Wohnbau wolle das Projekt deshalb „als reinen Wohnstandort etablieren“.
Abrissparty auf Ritter-Areal?
Bevor jedoch die Bagger anrücken, könnte es auf dem Ritter-Areal allerdings noch einmal gesellig werden. Lars Fischer schwebt eine Abrissparty vor, bei der sich die Essinger von dem ehemaligen Gasthaus Ritter und den anderen Gebäuden verabschieden können. Mit Getränken und Häppchen. Selbst zum Vorschlaghammer greifen dürften die Gäste dann allerdings nicht. Das sei zu gefährlich. Ob und wann genau gefeiert wird, steht derzeit aber noch nicht fest. Klar ist nur: Für das Ritter-Areal beginnt bald ein neues Kapitel.
Gasthaus „Ritter“ – ein Blick in die Vergangenheit
Das „Gasthaus zum Ritter“ in der heutigen Schulstraße 33 in Essingen war das woellwarthsche Zeugenhaus. Es diente als Lager für Vorräte und Waffen, später als Poststation.
Als erster Wirt ist Johannes (Hans) Eisele der Ältere bekannt. Er hat den „Ritter“ ab 1640 betrieben. Das Gebäude wurde 1759 durch ein Feuer zerstört, der damalige Wirt Johann Georg Staudenmayer baute es vermutlich kurz danach neu auf. Unterschiedliche Wirte führten dann das Gasthaus. Im Oktober 1900 übernahm Maximilian (Max) Grupp den „Ritter“. Er baute das Gebäude um. Nach dem Tod von Maximilian Grupp im Mai 1952 kam die Wirtschaft in den Besitz des Sohns Eugen Grupp. Der alte Saal im Obergeschoss wurde in eine Wohnung umgebaut. 1980 übernahm Gerhard Grupp mit seiner Frau Erika Grupp den „Ritter“. Wegen einer Erkrankung des Wirts wurde die Gaststätte geschlossen und 2020 an die Essinger Wohnbau verkauft.
Quelle: „Die Wirtschaften im ehemals woellwarthschen Essingen“, BOD-Verlag, 2021 , Horst Wormser und Heinz Bohn
Verkaufsstart in Kürze
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