Klima-Park statt Post-Areal

10. Oktober 2026

Die Stadt Aalen will den Stadtgarten erweitern – mit Bach, Bäumen und Bürgerbeteiligung. Doch was wird mit den Anwohnern – und möglichen Altlasten? Von Jürgen Steck

Aalen
Der Stadtgarten soll wachsen – und mit ihm die Chance auf ein besseres Stadtklima. Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) hat am Donnerstag über den aktuellen Stand der Pläne der Stadtverwaltung für die Erweiterung des Stadtgartens auf das ehemalige Post-Areal beraten.
Bürgermeister Wolfgang Steidle und Franciska Glavas, Leiterin des Amts für Grünflächen und Klimaschutz, stellten ein Konzept vor, das auf viel Zustimmung stieß – aber auch Sorgen weckte. Steidle sprach von einem „Brückenschlag“ auch zu den von der Essinger Wohnbau und der SDZ ( „Gartenstadt“ ) geplanten Wohnprojekten in der unmittelbaren Nachbarschaft und sagte: „Von einer Stadtgartenerweiterung profitieren alle.“

Stadtgartenerweiterung Aalen: Aus Parkplatz wird Klima-Park
Wo heute noch Asphalt und Beton dominieren, sollen bald Bäume, Wiesen und ein naturnah gestalteter Bachlauf entstehen. Die Stadt will die bislang fast vollständig versiegelte Fläche des früheren Post-Areals entsiegeln und in eine „Schwammstadt“-Struktur verwandeln: Der Boden soll Wasser aufnehmen können, der verlängerte Taufbach Verdunstung fördern und viele neue Bäume Schatten spenden. So hatte es der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschlossen.
So will die Stadt die im Sommer immer mehr zunehmenden Hitzewellen abmildern und gesundheitsbelastende Temperaturspitzen in der Innenstadt senken. Gleichzeitig soll ein neuer Aufenthaltsort unter Bäumen und am Wasser entstehen, der zwischen Stadtgarten und Bahnhofstraße eine zusätzliche fußläufige Verbindung schafft.

Renaturierung des Taufbachs: Klimaschutz und Artenvielfalt
Wichtiger Teil des Projekts ist die Renaturierung des Taufbachs. Die Baggerarbeiten zur Entsiegelung sollen zugleich dazu dienen, den Bachlauf neu zu gestalten.
Das Ufer soll grüner und erlebbarer werden, Kinder sollen am Wasser spielen können. Grün am Ufer und auf den Freiflächen sollen die Artenvielfalt erhöhen, zusätzlich entsteht Retentionsvolumen für Starkregenereignisse.
Der neue Park soll barrierefrei und nur für Fußgänger zugänglich sein. Eine neue Brücke über den Taufbach bindet das Gelände besser an, der Stadtgarten soll laut der Vorlage der Verwaltung Räume zum Verweilen bieten, für Umweltbildung und für Treffen ohne Konsumzwang.

Klimaschutz mit Fördergeldern: Drei KfW-Bescheide
Für das Projekt greift die Stadt auch auf das Bundesprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ zurück. Insgesamt drei Förderbescheide liegen vor, die zusammen bis zu rund 2,14 Millionen Euro bringen: Die Förderung beträgt 80 Prozent der Kosten – ein für alle Fraktionen „außerordentlich guter Zuschuss“, wie es in der Sitzung hieß. Allerdings knüpfen die Fördergeber ihre Unterstützung an Bedingungen, die im Ausschuss für Diskussion sorgten.

Sorge um nächtliche Öffnung und Altlasten
Kritisch sehen die Stadträte die Vorgabe, dass der erweiterte Stadtgarten jederzeit zugänglich und beleuchtet sein muss. Mit dem Rückbau der östlichen Ufermauer verliert der bisherige Stadtgarten seine klare Abgrenzung, eine nächtliche Schließung wie bisher wäre nicht mehr möglich.
Thomas Wagenblast (CDU) lobte zwar das Konzept insgesamt. Er befürchtet aber wie Michael Fleischer (Bündnis 90/Die Grünen), Klaus Albrecht (FW) und Norbert Rehm (AB) nächtliche Ruhestörungen für Anwohner. Wagenblast schlug vor, dass die Stadt mit dem Land nochmals über eine abendliche Schließung verhandelt.
Timo Lorenz (SPD) brachte als mögliche Lösung ins Spiel, den neuen Bereich vom bestehenden Stadtgarten abzuschranken. Dies war den Sprechern der anderen Fraktionen zu wenig. Oberbürgermeister Frederick Brütting sagte zu, die Frage mit den Zuschussgebern zu besprechen.
Mit Sorge blickt die Stadt auch auf mögliche Altlasten. Auf dem Gelände befand sich früher eine Tankstelle, wie Glavas berichtete. Ingenieurbüros untersuchen derzeit Boden und Grundwasser; die Stadt strebt eine gemeinsame Sanierung mit dem angrenzenden Wohnbauprojekt an der Bahnhofstraße 51 an.

Zeitplan bis 2029: Baubeginn Sommer 2028
Weil die Planungsleistungen über dem EU-Schwellenwert liegen, läuft ein Vergabeverfahren. Das Büro Brenner bereitet den Teilnehmerwettbewerb vor. Der Zeitplan ist straff:

Planer-Beauftragung im März 2027, Baubeschluss und Vergabebeschluss im Herbst 2027, Werkplanung und Ausschreibung im Frühjahr 2028, Baubeginn im Sommer 2028.
Das Förderprogramm endet – mit eingeplanter Verlängerung – am 3. Dezember 2029. Bis dahin müssen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Grundidee der Stadtgartenerweiterung stammt übrigens bereits aus der im Jahr 2010 gestoppten LGS-Bewerbung 2009.

Bürgerinfo im Stadtgarten: Mitreden ausdrücklich erwünscht
Bevor konkrete Pläne entstehen, will die Stadt die Bürger einbinden. Am 19. Oktober, ab 16.30 Uhr, lädt sie zu einer Bürgerinformation ein. Treffpunkt ist der Pavillon im Stadtgarten. Dort stellt die Verwaltung das Projekt vor, erläutert ökologische Ziele und Zeitplan – und nimmt Anregungen der Bürgerinnen und Bürger auf.

Von einer Stadtgartenerweiterung profitieren alle.“
Wolfgang Steidle
Bürgermeister Aalen